Wenn im Großarltal der Schnee von den Kräuterwiesen verschwindet und die ersten Blumen ihre Kopferl Richtung Frühlingssonne strecken, weiß ich: Es ist bald Zeit für eine ganz besondere Spezialität. Nämlich für meinen Schlüsselblumensirup. Wie er gelingt und was es zu beachten gilt, verrate ich heute.

Als Frühlingsbotin kennen wir die Schlüsselblume alle. Nicht mehr ganz so viele wissen, dass sie auch eine Heilpflanze ist. Sie wirkt entkrampfend und schleimlösend – und ist als Hustentee super geeignet. Mir geht es aber weniger um die Wirkung und mehr um den Geschmack, denn ihre Blüten haben ein einmaliges Aroma, das neben den floralen Noten ein wenig an Marille erinnert.

Vielleicht mache ich darum so gerne Sirup daraus. So habe ich auch später im Jahr noch eine Portion Frühling auf Vorrat und z.B. mit kühlem Sodawasser immer eine besondere, selbstgemachte Erfrischung parat. Unter uns: Mir schmeckt der Sirup auch sehr gut als „Schlüsselblume Royal“ – also einfach einen Schuss in ein Glas trockenen Sekt.

Naturschutz ist mir wichtig

Doch bevor’s losgeht noch ein wichtiges Wort der Vorsicht: Die echte Schlüsselblume (Primula veris) ist in vielen Ländern geschützt oder steht auf der roten Liste gefährdeter Arten – auch in Deutschland und Österreich. Wer Sirup aus ihr machen möchte, darf sie nicht in Wald und Wiese sammeln, sondern muss sie selbst im Kräutergarten anbauen.

Ich nehme für mein Rezept darum die hohe Schlüsselblume (Primula elatior). Sie ist sehr weit verbreitet und blasser in der Farbe. Von der echten Schlüsselblume lässt sie sich eindeutig am Fehlen der fünf orangefarbenen Flecken im Blütenschlund unterscheiden. Auch ihr Aroma ist etwas schwächer, aber ich nehme lieber eine Handvoll Blüten mehr und lasse ihre geschützten Geschwister den Schmetterlingen und Bienen.

So geht der köstliche Frühlings-Sirup

Zutaten:

  • gut 4 Hände voll Schlüsselblumenblüten
  • 1 kg Sirupzucker – da ist die Zitronensäure schon drin
  • 1 l Wasser
  • 1 Stück Zitrone und 1 Stück Orange unbehandelt

Schritt 1:
Ich löse den Zucker immer in warmem Wasser auf – das geht ein bisserl leichter – und koche die Mischung auf. Dann nehme ich den Topf vom Feuer und rühre die duftenden Blüten und die in Scheiben geschnittene Zitrone und Orange gut unter. Jetzt darf alles abkühlen und abgedeckt für 48 Stunden an einem kühlen Ort ziehen.

 

Schritt 2:
Nach diesem Schönheitsschlaf seihe ich die Mischung mit einem feinen Sieb ab und koche den Sirup noch einmal auf. Noch heiß (aufpassen auf die Finger!) fülle ich ihn dann in Flaschen ab und verschließe die gut. So hält er sich an einem kühlen Ort für Monate.

Noch ein Tipp: Viele kochen die Flaschen zum Sterilisieren zuvor ab. Das finde ich ein wenig kompliziert. Ich mache meine Flascherl vor dem Befüllen im Backofen keimfrei. Ganz einfach bei ca. 90 °C für mindestens 15 Minuten. So bleibt alles trocken und ich kann den Sirup sofort einfüllen.

Viel Spaß beim Nachkochen!
Wünscht Katharina Hettegger

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