Der Tauernhof war schon immer mehr als ein Hotel mit schönen Zimmern, guter Küche und toller Ausstattung. Denn bei uns war von Anfang an spürbar, dass er ein Familienbetrieb ist – mit den Hetteggers als Gastgeber*innen, die für die besonders herzliche Atmosphäre mindestens genauso wichtig sind, wie die Hardware des Hotels. Lange Jahre war Anni Hettegger als Chefin, gute Seele des Hauses und Organisationstalent an der Seite ihres Mannes Ambros Jun. für das Haus verantwortlich. Wie all das kam, wie’s ihr heute als Seniorchefin geht und worauf sie sich in der Zukunft freut, verrät sie uns heute im Interview.

Am besten soll man ja am Anfang beginnen. Darum: Du bist ja eine waschechte Großarlerin, oder?

Ja, genau. Ich bin hier geboren und auf dem Unterwandhof aufgewachsen. Die war damals noch ein Bergbauernhof, den meine Eltern bewirtschaftet haben. Natürlich haben meine 8 Geschwister und ich da ordentlich mitgeholfen. Vor allem im Sommer war da jede Menge zu tun. Urlaube und Ausflüge waren also bei uns eher die Ausnahme als die Regel.

 

Und wie bist du dann zum Tourismus und zum Tauernhof gekommen? Hast du da eine Ausbildung gemacht?

Nein, gar nicht. Das waren damals wirklich noch ganz andere Zeiten. Da konnte einfach nicht jedes Kind eine Lehre oder eine Ausbildung machen. Wir wurden eben im Familienbetrieb am Hof gebraucht. Zum Tourismus und zur Hotellerie bin ich dann erst später über Ambros gekommen. Ich bin quasi Autodidakt, würd‘ man heute sagen. Oder learning by doing.

Es kam also erst Ambros Jun. und dann der Tauernhof?

Ganz genau – wobei’s eigentlich ziemlich gleichzeitig passiert ist. Wir haben uns 1986 kennengelernt. Beim Fortgehen haben wir uns zum ersten Mal getroffen – und da hat er mir schon gefallen. Und ja, wie man sieht ist da dann schnell mehr draus geworden. 1987 hab ich begonnen, im Tauernhof mitzuarbeiten, 1988 haben wir geheiratet und unser erster Sohn Markus kam auf die Welt. Gleichzeitig hab‘ ich mich um die Koordination im Service und im Housekeeping gekümmert. Und natürlich hab‘ ich angepackt, wo’s grad notwendig war. Das war ich von daheim so gewohnt. Und wie’s scheint, ich hab‘ mich gar nicht so un’gschickt angestellt.

Wow, das ist ja wirklich viel in kurzer Zeit passiert. Was waren denn da die größten Herausforderungen für dich persönlich?

Ich glaub, über Herausforderungen muss ich keiner berufstätigen Mutter viel erzählen. Christian kam ja auch bald einmal auf die Welt und dann ein bissl später noch Sebastian. Drei Buben und ein Haus voller Gäste, um die man sich auch persönlich kümmern will … ich sag‘ einmal so: Da weiß man am Abend schon, was man getan hat. Aber es hat mir immer alles sehr viel Freude gemacht. Freilich bleibt da hier und da mal was ein bissl auf der Strecke, aber das tut’s bestimmt immer, wenn Familie und Beruf so eng miteinander verwachsen sind.

 

Was ist denn zum Beispiel auf der Strecke geblieben?

Ach, das sind eher die kleinen Sachen. Meine Leidenschaft is ja das Musizieren – ich spiel Ziehharmonika – und dafür war oft nicht mehr so viel Zeit. Oder für eine Partie Ladinisch Watten oder dass wir als Familie mal alle gemeinsam unser schönes Großarltal beim Wandern oder Skifahren genießen. Dafür gibt’s aber ganz viel andere tolle Momente, wenn man zum Beispiel gesellig mit Gästen oder Freunden zusammensitzt.

Jetzt haben ja dein Sohn Christian und seine Frau Katharina den Fahrersitz im Tauernhof übernommen. Glaubst du, du wirst jetzt mehr Zeit für deine Hobbies haben?

Das hoff ich doch stark! Jetzt wo mein Mann und ich nicht mehr die erste Geige spielen, sollten wir ja mehr Zeit haben. Zumindest ist das der Plan. Mit dem Umbau und allem ist sich’s bisher noch nicht so wirklich ausgegangen.

 

Apropos Umbau: Wie geht’s dir denn damit? Da hat sich ja jetzt doch sehr viel getan und du kennst den Tauernhof ja über viele Jahre noch ganz anders.

Da war bei uns allen ein lachendes und ein weinendes Auge dabei, denk ich. Der Umbau ist super gelungen und er war auch das, was das Hotel jetzt braucht. Natürlich ist man kurz ein bissl wehmütig, weil man viele Ecken mit Erinnerungen und Geschichten verbindet – aber die bleiben einem ja zum Glück im Gedächtnis, auch wenn die Räumlichkeiten jetzt ganz anders ausschauen. [Übrigens: Hier geht's zum Interview mit Sohn Christian über den Umbau].

 

Hast du schon ein Lieblingsplatzerl im neuen Tauernhof?

Ich bin immer dort, wo die Leut‘ sind. So bin ich einfach. Darum findet man mich gern am Abend auf ein Glaserl an der Bar oder auf der Terrasse im Sommer. Da bin ich auch immer für einen Plausch zu haben oder pack jetzt hoffentlich wieder öfter die Ziehharmonika aus.

 

Du bleibst dem Tauernhof also auch in Zukunft noch erhalten? Sozusagen als „Chief Plauder Officer“?

Hahaha. Nein, „Chief“ bin ich sicher keiner. Da bin ich ganz stolz, dass unsere nächste Generation das mit so viel Leidenschaft macht. Aber sehen wird man mich ganz bestimmt noch viel im Betrieb. Ich werd‘ auch weiterhin einmal die Woche wandern gehen mit allen, die möchten. Und ganz generell sind mir ja auch viele Menschen ans Herz gewachsen – ganz egal, ob Gäste, Einheimische oder Mitarbeiter*innen – da kann und mag ich nicht drauf verzichten, ein bissl g’schaftig mitzumischen. Zumindest jetzt noch nicht.

 

Das trifft sich gut. Schließlich wäre der Tauernhof ohne Anni Hettegger einfach nicht dasselbe. Wir und unsere Gäste dürfen uns also auch weiterhin über ihr herzliches Willkommen und vielleicht sogar jetzt etwas öfter über die eine oder andere musikalische Einlage am Abend freuen.

Familie Hettegger vor dem Tauernhof im Jahr 1991
Anni und Ambros mit den Söhnen Markus und Christian im Jahr 1991
Außenansicht des Tauernhofs von 1978
Der Tauernhof im Jahre 1978 – vor Annis Zeit
Tauernhof Bar
Im neuen Barbereich lässt es sich wunderbar plaudern...
Neuer Restaurantbereich
Einer der drei Speisesäle im neuen Hotel Tauernhof
Anni und Ambros Hettegger vor dem Hoteleingang im Jahr 1992
Zeitreise vorm Hoteleingang: Anni und Ambros im Jahre 1997...
Anni und Ambros Hettegger mit Sohn Sebastian vor dem neuen Eingang des Hotels
...und 2021 mit ihrem jüngsten Sohn Sebastian

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