Ora et labora. Wer rastet, der rostet. Sich regen bringt Segen. Schon unsere Sprache ist voll mit Sprichworten, die uns sagen, dass nur produktiv verbrachte Zeit sinnvolle Zeit ist. Nichtstun ist was für Faulpelze und Drückeberger, denn wer nichts leistet, ist nichts wert. Tja, nun stellt sich heraus, dass Momente des bewussten Nichtstuns sogar die Produktivität steigern – und dass es gar nicht so einfach ist, nichts zu tun. Doch Nichtstun kann man lernen.

Urlaub und Entspannung gehören einfach zusammen – natürlich auch bei uns im Wellnesshotel Tauernhof. Doch selbst im Urlaub tut man sehr, sehr selten wirklich gar nichts. Vielleicht unternehmen Sie eine Wanderung, gehen in die Sauna, lesen ein Buch oder gönnen sich eine Mehlspeis‘ in der Sonne. All das ist Urlaubsprogramm, aber all das ist nicht nichts, denn da tun Sie ja was. Wie man von Wissenschafter*innen aus Psychologie, Biologie und Verhaltensforschung hört, ist aber genau dieses ganz bewusste Nichtstun sehr wichtig. Schon mit 30 Minuten Nichtstun am Tag soll sich die Konzentration verbessern, die Leistungsfähigkeit und Effizienz steigern, Stresslevel und Blutdruck sollen sinken und die Durchblutung und das Immunsystem gestärkt werden. Sich die Zeit nehmen und lernen, nichts zu tun, zahlt sich also definitiv aus. 

Die Wissenschaft des Nichtstuns

  • Unser Gehirn ist wie ein Motor im Dauerlauf. Es verarbeitet, steuert und organisiert permanent irgendetwas. Damit es das kann, braucht es einen sehr stabilen Leerlauf, um in der Motoren-Denke zu bleiben. Für den ist ein sehr alter Teil des Gehirns zuständig: das limbische System. Gehirnstrom-Messungen zeigen, dass diese Region und die angeschlossenen Nervenbahnen besonders aktiv werden, wenn wir gar nichts tun – Default Mode Network nennt das die Wissenschaft. Mit bewussten Pausen können wir also die Laufruhe unseres Gehirns unterstützen. Und damit auch die Bereitschaft, einen Gang höher zu schalten, wenn’s gebraucht wird.

Fantastisch, oder? Doch so absurd es klingt: Nichtstun ist gar so einfach. Denn fürs Nichtstun sind wir Menschen nicht gemacht. Wir haben gelernt, dass nur Leistung zählt. Wer nichts tut, wird schief angeschaut. Momente, in denen wir innehalten und uns entspannen, empfinden wir eher als verlorene und nicht als gewonnene oder gar gut investierte Zeit. Damit nicht genug: Nicht nur die Außenwahrnehmung, sondern auch wir selbst machen uns eine totale Auszeit schwer. Wir können schlichtweg nicht Nichtstun. Wir werden immer denken, atmen, hören und schauen.

Wir machen also eigentlich immer irgendwas. Zum erfolgreichen Nichtstun reicht es Experten zufolge aber schon, sich Zeit zu gönnen, in der man nichts Besonderes tut. Das macht auch den Unterschied zu anderen Entspannungstechniken, wie z. B. Meditationen, aus. Denn die sind eigentlich ja schon wieder eine besondere Tätigkeit. Nichtstun ist wirklich Nichtstun. Das Gute daran: Man kann es jederzeit und überall machen. Denn alles, was man dazu braucht, ist gar nichts.

Nichtstun lernen – starten Sie den Selbstversuch

Vielleicht nutzen Sie Ihre Zeit bei uns im Tauernhof für ein kleines Nichtstu-Experiment. Planen Sie 30 Minuten am Tag ein, in denen Sie den Aktivitäts-Zähler auf null setzen. Suchen Sie sich ein lauschiges Platzerl, schauen Sie in die Luft und lassen Sie Ihre Gedanken schweifen. Letzteres ist besonders wichtig, denn Sie werden unweigerlich an irgendetwas denken. Versuchen Sie aber, Ihren Geistesblitzen nicht nachzuhängen, sondern lassen Sie sie weiterziehen wie Wolken am Himmel. Und so verbringen Sie einfach eine halbe Stunde.

5 Tipps zum erfolgreichen Nichtstun

  • #1 Machen Sie es sich bequem
    Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und nehmen Sie eine gemütliche Haltung ein. Sie müssen beim Nichtstun nicht unbedingt liegen. Worauf es ankommt, ist eine entspannte Körperhaltung, die Sie nicht immer wieder verändern müssen.
  • #2 Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem
    Viele Atemtechniken eignen sich ganz hervorragend, um den Körper „herunterzufahren“ und zur Ruhe zu kommen. Die wohl einfachste: Atmen Sie tief durch die Nase ein und doppelt so lange durch den Mund aus. Ihre Aufmerksamkeit liegt dabei ganz auf dem Atemfluss.
  • #3 Spüren Sie Ihren Körper
    Diese Übung funktioniert tatsächlich am besten im Liegen, kann aber auch im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Körper. Beginnen Sie bei den Zehen und arbeiten Sie sich langsam – Körperteil für Körperteil – nach oben bis zum Kopf hoch. Achten Sie dabei darauf, wie sich die einzelnen Bereiche anfühlen. Wo liegen Sie wie auf? Welche Körperteile sind verspannt und welche locker? Welche Stelle fühlt sich besonders gut an?
  • #4 Verbannen Sie Ablenkungsfallen
    Die wohl schwierigste Herausforderung beim bewussten Nichtstun sind die unzähligen Ablenkungsfallen, die überall auf Sie warten werden. Wenn Sie die entspannende Auszeit wirklich genießen wollen, ist es ratsam, die größten Übeltäter wie Smartphone und Fernseher vollständig aus Ihrem Umfeld zu verbannen.
  • #5 Planen Sie die Pausen (anfangs)
    Zu Beginn wird es Ihnen bestimmt schwerfallen, einfach nur nichts zu tun. In dieser ersten Phase kann es helfen, feste Zeiten dafür einzuplanen. Mit wachsender Übung werden Sie ganz bestimmt von den starren Terminen wegkommen und sich dann die Auszeit gönnen, wenn Körper und Geist danach verlangen.

Wir haben das für das Schreiben dieses Artikels selbst ausprobiert und können eines mit Sicherheit sagen: Es wird Ihnen am Anfang nicht leicht fallen. Im Gegenteil. Die Minuten ziehen sich wie ein Strudelteig. Sie kommen sich blöd vor. Sie werden „nur noch schnell“ etwas holen, nachschauen oder zurechtrücken wollen. Vielleicht wollen Sie sogar lieber alles andere tun, nur eben nicht nichts. Das ist vollkommen normal, denn auch Nichtstun will gelernt sein. Wenn Sie dranbleiben, werden Sie nach ein paar Tagen feststellen, dass es Ihnen immer leichter fällt und Sie sich nach Ihrer kleinen Auszeit irgendwie erfrischt und klar fühlen. Zumindest ging es uns so. Freilich sind wir auch noch keine Nichtstu-Profis, aber auf gut Großarlerisch: uns taugt’s. Probieren Sie’s doch einfach auch und lernen Sie, nichts zu tun!

Der Infinity-Pool des Tauernhofs mit Ruheplätzen und Bergblick
Ruhebereich
Alpenblumen-Arrangement im Blumenkasten
Frau in der Badewanne
Die Korbschaukel im Ruhebereich

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